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Kapitel 21: Stile

Stil oder Persönlichkeit - Der Bregriff Stil in anderen Tanzbereichen

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Stile

Stil oder Persönlichkeit

Hier muss man unterscheiden, zwischen dem Begriff des Stils und dem der Persönlichkeit eines Tänzers. Ich persönlich spreche ungern von einem persönlichen Stil der Tänzer, aber sehr gerne von ihrer herausragenden Persönlichkeit. Wenn wir den Einzelnen betrachten, dann ist es das natürliches Talent, das zu einer erlernbaren Technik hinzu kommt, welches ihn von anderen abhebt. Dann können wir von einer Persönlichkeit sprechen. Nämlich dann, wenn es herausragend ist, und Motiv ist, von vielen anderen kopiert zu werden. Oder gar Teile seines persönlichen Tanzes weiter gegeben werden.

Doch hier von Stil zu sprechen, finde ich vermessen. Stellen Sie sich vor, wir würden vom Stil Barishnikov, Stil Plinziskaya, Stil Astaire und Kelly sprechen. Wenn es um den Tanz einzelner Tänzer geht, so geht es um ihre Persönlichkeit. Nicht um einen Stil. Selbstverständlich haben nur wenige Tänzer herausragende Persönlichkeit. Anders verhält es sich mit dem Begriff Stil wenn wir ihn innerhalb eines Tanzgenre anwenden. Hier können wir Stile unterscheiden. Der Tango Argentino hebt sich deutlich von anderen Tangostilen ab und gibt seiner Nation Identität.

Er ist grundsätzlich anders in allen Stilelementen. Andres als der Tango Americano, Tango Europeo, Tango Español, Ballroom Tango etc, anders als alle anderen Tänzen auch. So wie man im Fussball sagen kann, dass der Brasiliens sehr rhythmisch ist, spielerisch, der der Deutschen sehr massiven Druck ausübt, die Engländer sehr gut aus dem Zentrum spielen, und die Argentinier sehr spontan mit dem Raum umgehen. Auch das könnte man als Stile bezeichnen.

Innerhalb des Tango Argentino sind im Volksmund Stilbegriffe entstanden, hier einige zur Erläuterung:

  • Tango tradicional, der meist pure und früher Stil, ein Tango der in der Hauptsache rhythmisch gegangen wird, nicht zum compás, also Taktschlag sondern rhythmisch.
  • Tango con corte y quebrada, ein in der Tangogeschichte sehr früher Stil der über den traditionellen Tango hinaus cortes (Schnitte) y quebradas (gebeugte Posen) und kleine sentadas (Sitzfiguren) einbaut. Die damaligen Quebradas wurden später stilisiert und werden heute allgemein als Pose bezeichnet.
  • Tango de Fantasía, bezieht sich nicht nur auf die Tanzrichtung, sondern auch auf Musik und Kleidung. Dieser Begriff entsteht bereits in den 40er 50er Jahren in dem Wunsch alles dem traditionellen Tango Abweichende begrifflich fassen zu können. Im Tanz fügte das Paar dem traditionellen Tango kleine Spielereien wie Sentadas und schnelle Beinbewegungen zu. In der Kleidung wird der am Revers weiss eingefasseten Anzug als traje de fantasía benannt. In der Musik fällt Osmar Héctor Maderna mit seinen modernen und vom Tango abweichenden Solos in die Rubrik Tango de fantasía. In der argentinischen Folklore entsteht zur gleichen Zeit ein Begriff für die der tradionellen Folklore abweichenden Formen, hier formt sich der Begriff folklore de projección.
  • Tango Acrobatico, hier wird eine Akrobatischer Tanz zu Tangomusik aufgeführt. Eine Tanzform mit starken Einflüssen die über Einflüsse vom Ballett hinausgehen, wie Modern Dance, Gymnastik, Eistanz, Jazz, Zirkus, Akrobatik und Contact Improvisation mit Hebungen und akrobatischen Effektfiguren. Erstmals wurde diese Tanzform 1990 bewusst als Konzept geschaffen von Eduardo Arquimbau, der für das Tanzpaar Sandor und Miriam in der Show Forever Tango eine neue Nummer konzipierte. Sandor kam aus einer Zirkusfamilie und beherrschte akrobatische Zirkusnummern. Dies nutzte Eduardo Arquimbau für die hier entstandene Nummer. Das damals getanzte Stück heisst Tus ojos del cielo (Volumen 2 der CD Forever Tango, auf dem Titel abgebildet Miriam). Diese Tanzform wurde später von fast allen jungen Paaren kopiert.
  • Bühnentango und Showtango hierbei handelt es sich um einen Tango der sich den Bühnenbegebenheiten anpasst, wie choreographischen Grundbewegungen (z.B. Diagonalen), Lichtdesign, Bühnenmasse, Publikumsrichtung, Mise en scene, Dramaturgie, etc. Er ist eine dem Theater angepasste Form, was aber keinesfalls bedeutet, dass er akrobatische, circense oder sonstige dem Tango fremde Elemente beinhalten muss oder soll. Jeder Tangostil kann auf der Bühne aufgeführt werden und muss sich rein Bühnentechnisch den Bühnenbedingungen anpassen. Genau genommen soll jeder Tango, also auch der Bühnentango vom Mann geführt und improvisiert werden. Obwohl eine Choreographie ganz oder teilweise vorliegt, sollte der Mann immer seine Rolle als Führender erfüllen und diese Choreographie in jedem Moment in Bewegung, Raum und Musik neu führen, insofern es sich um Tango handelt. Idealer Weise schöpft der Bühnentango aus den ihm eigenen Elementen (caminar, Paso Basico, ochos, giros, contragiros, voleos, llevadas de pie, sacadas, cortes, quebradas, cruze, ganchos - in all seinen Kombinationen). Jedes dem Tango fremde Element verfälscht den Tango - auch auf der Bühne. Eine Dramaturgie kann allerdings Theaterelemente zur Bühnenprojektion verlangen. Bühnentango und Showtango darf nicht verwechselt werden mit Tango de Fantasia, Tango Acrobático oder Tango moderno.

Der Bregriff Stil in anderen Tanzbereichen

Eine Auseinandersetzung um den Begriff der Stile gibt es nicht nur im Bereich des Tango. Im klassischen Tanz treffen wir auf folgende Gedanken:

„Entfacht durch die irisch amerikanische Tänzerin Isadora Duncan entbrannte vor Beginn des Ersten Weltkrieges ein Streit zwischen den Anhängern des überlieferten klassischen Tanzes und den Befürwortern eines angeblich freien und natürlichen Tanzes. Ganz aus den Köpfen ist der Gegensatz geregelter Tanz gegen ungeregelten nicht verbannt. Auch heute werden die Anhänger eines freien Tanzes, ja sogar jene des längst bewährten Modern Dance, von vielen Nur Klassikern nicht ganz ernst genommen.

Die Modernisten aber sehen mit wenig Begeisterung auf den angeblich veralteten klassischen Tanz. Eine Bevorzugung des einen vor dem anderen ist kaum möglich. Es ist verständlich, dass die Klassiker den regellosen, spontan und fast ekstatisch ausgeführten Ausdruckstanz ablehnen. Dem Modern Dance, der ja ebenfalls gewissen Regeln untersteht, kann dennoch seine Bedeutung schwerlich abgesprochen werden. Die Modernisten aber müssen sich darüber klar sein, dass dem klassischen Tanz, zumindest in der Ausbildung, eine absolute und unbestreitbare Vormachtstellung zukommt.

Der klassische Tanz ist und bleibt die „Muttersprache" des Bühnentanzes! Kein professionelles Ballettensemble verpflichtet Tänzer, die nicht im klassischen Tanz bühnenreif geschult sind. Sogar fast alle ausschließlich dem Modern Dance verschriebenen Ensembles führen täglich ein klassisches Training durch. Der klassische Tanz ist daher nach wie vor das A und O jeder professionellen Tänzerausbildung, und darum wird ihm auch hier eine bevorzugte Stellung eingeräumt. Die Wirklichkeit zeigt, dass die den klassischen Tanz strikt ablehnenden Tänzer sehr oft solche sind, die an ihm gescheitert sind. So ist in Ballett World zu lesen. Interessant wird diese Aussage, wenn wir überlegen, wieviele Tänzer sich auf ihren persönlichen Stil versteifen, ohne darüber nachzudenken, dass dies vielleicht keinesfalls ein Stil ist, nicht einmal Persönlichkeit, sondern einfach und alleine die eigene Möglichkeit mehr oder weniger fähig mit dem Tanz umzugehen.

Im Tanzbereich der Klassik werden folgende Formen als Stile benannt: Neoklassischer Tanz (George Ballanchine und Serge Lifar erweitern den klassischen Tanz durch eckige Winkelige Bewegungen), Charaktertanz (stilisierte Volks- und Nationaltänze), Ausdruckstanz (Francoise Delsarte, Isadora Duncan. Die Idde ist, auf Geheiss der Seele zu tanzen. Eine direkte Kampfansage an den unnatürlichen klassischen Tanz), Modern Dance (Das wesentlichste Merkmal des Tanzes moderner Stilrichtung ist sein Verzicht auf das „En dehors" des klassischen Tanzes, d. h. er ist introvertiert), Jazz dance (vom arabischen Jatba, entzückt, abgeleitet. Mischung aus afrikanischem, afroamerikanischem, Modern Dance und klassischem Tanz).

Heutzutage trifft man meist auf Mischstile. „Tatsächlich begegnet man nur noch relativ selten einem wirklich reinen Stil des Tanzens. Sicher ist, dass der klassische Tanz, der eine zeitlang etwas zurückgedrängt schien, immer wieder eine erstaunliche und von seinem, man ist versucht zu sagen, Ewigkeitswert zeugende Auferstehung feiert. Er ist nun einmal, und sei es nur als Mischungselement, aus dem heutigen und vermutlich morgigen Bühnentanz nicht wegzudenken.“ so schreibt Ballett World.

Es gibt auch noch eine weitere Variante, Stile zu definieren. In anderen Tanzbereichen sprechen wir immer dann von Stil, wenn komplette Konzepte sich ändern. So gibt es den klassischen Tanz gegenüber dem Modern, dem Jazz, dem  Neoklassik, dem Tanztheater, etc.

 

Im Tango können wir deshalb Folgendes als Stile bezeichnen: Tango Argentino, Tango de Paris, Tango Americano, Ballroom Tango. Alles weitere sollten wir statt als Stil, korrekter Weise als Varianten innerhalb eines sozialen Gefüges betrachten: Orillero, Arrabalero, Salón, Moderno, Acrobatico, A Piso, Canyengue, Fantasia, etc, etc.  Hier ändert sich nämlich nicht der Tanz. Ein ocho bleibt ein ocho, wie ein gancho ein gancho bleibt. Auch Grundkonzepte ändern sich nicht, sondern nur die Belegung der Charaktere.

Deshalb muss man sehr vorsichtig sein. Oft wird allzu leichtfertig mit dem Begriff Stil umgegangen. Alleine abhängig aus der Musik muss ein Tanz sein Gesicht ändern können, ohne zwangsweise seinen Stil ändern zu müssen. Wie auch ein Umfeld das Erscheinungsbild des Tänzers ändert, ohne gesamte Konzepte zu verändern.

Es ist logisch, dass ein Paar aus guten Verhältnissen und dem Zentrum der Stadt (de salón) sich anders darstellt, wie eins aus den armen Vierteln, oder gar von der Provinz (de barrio, arrabalero, orillero). Doch trotz allem tanzen sie den gleichen Tango Argentino. Aber auf Grund der Kommerzialisierung des Tango werden immer mehr Titel, Stile und Sonderformen hervor gekramt oder gar erfunden. Denn je mehr Titel der Lehrer erfindet, umso mehr Kurse kann er geben. 

Canyengue, Arrabalero, Orillero, Salon, de Gala, etc sind also vielmehr soziale Gefüge die es hier gilt zu interpretieren mit ihren respektiven Charakteren. Selbstverständlich wird der Galatänzer elegant sein, nicht nur in seiner Kleidung, als auch seiner Tanzhaltung, der Vorstadttänzer eher brutal und ungelenk, und der einfache Salontänzer populär. 

Viel leichter kann man es sich machen mit der Vorstellung, dass ein klassisches Ballett sowohl eine Aschenputtelgeschichte darstellen kann, als auch eine Geschichte der schönen Prinzessin. Es kann diese selben Geschichten traditionell tanzen oder gar modern inszenieren, ohne den tanzstil zu verändern.Die selbe Geschichte könnte aber auch dargestellt werden vom Modern Ballet, dem Jazz oder Neo Klassik. Luis hat bereits erwähnt, dass der Begriff tango acrobatico den Tango bezeichnet, der starke Einflüsse der Akrobatik, über den klassischen Einfluss des Pas de deux hinaus aufweist. Im Folgenden erklärt sich der Zusammenhang zwischen Akrobatik und klassischem Tanz, und warum also deshalb von tango acrobatico gesprochen wird:

Im klassischen Tanz waren von Anfang an akrobatische Elemente enthalten; dabei hat besonders der Einfluss der Seiltänzer im Theätre de la Foire (Jahrmarkttheater) eine Rolle gespielt. Vor allem durch den Einfluss des Choreographen Fedor Lopuchow (1886 - 1973) wurden akrobatische Elemente in den Pas de deux -Hebungen im sowjetischen Ballett besonders ausgeprägt entwickelt.

Diese Hebefiguren sind erstmals 1990 von Eduardo Arquimbau in den Tango übernommen worden: er choreografierte für die Show Forever Tango zwei Tänzer, Miriam und Sandor, die aus dem Zirkus- und Varietebereich kamen. Eduardo Arquimbau choreographierte zu der ausgewählten Musik Tus ojos del cielo von Lisandro Androver eine vollkommen akrobatische Szene. Seitdem wurde dies in allen Shows kopiert und eingefügt, und als tango acrobatico oder moderno bezeichnet. Die damals verwanden Elemente werden allerdings sehr respektlos als trucos bezeichnet. Besser wäre es hier, den Begriff tango acrobatico zu verwenden.

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Publiziert am: Dienstag, 13. April 2010 (1155 mal gelesen)
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